stadt der moderne

das ist DAStietz von hinten – in der mittagspause babe ich mir das angesehen …




in dem lichtdurchfluteten atrium steht ein millionen jahre alter versteinerter wald. das atrium ist öffentlich zugänglich – es hat nischen & bänke – die unterschiedlichsten menschen scheinen sich dort gern aufzuhalten. und ich bin gleich wieder in meiner steinzeit:



verglichen mit der „moderne“ draußen tobt hier triumphierend das leben  – eine insel der zeitlosen vergegenwärtigung.


21.10.2017 - 01:04

DAS tietz



modisch zusammen geschrieben und als marke eingetragen & geschützt. ein „kulturkaufhaus“ = eines der ersten großen warenhäuser überhaupt, in dem die frauen der proletarier ihre unstillbaren sehnsüchte zu stillen versuchten, die karl marx womöglich nicht in seine überlegungen mit einbezogen hatte.




heute mit einem modernen anbau versehen. in dem einsemble sind ein museum, die stadtbibliothek, ein versteinerter wald, gastronomie und ein paar läden untergebracht.




der ursprüngliche bau ist gigantisch – eine inbrünstige kathedrale der neuen religion – und der bauherr hat seiner muse ein denkmal gesetzt.




als konsumhöllenforscher kann ich hier architektonische zeitreisen unternehmen bis in die zukunft …




weil sich hier zwangsläufig auch der militärisch-industrielle komplex gebildet hat, ist die stadt 1945 durch mehrere tausend tonnen bomben zu achtzig prozent zerstört und anschließend von den russen ausgeplündert worden.

die vitalität der aufbauleistungen nach den brüchen & katastrophen kann ich nur bewundern und auch heute ist eine große stadtplanerische geschäftigkeit zu spüren. „stadt der moderne“ nennen sie sich und werden weltkulturhauptstadt.  die  oberbürgermeisterin ist eine frau.




ich komme mir schon vor wie in düsseldorf – das heißt aber auch: nachts ist hier alles tot und der konsum wird fundamentalistisch.



20.10.2017 - 01:40

kontrapunkt

gestern abend in chemnitz bot sich mir dieser anblick und im laufe des tages wurde mir klar, daß diese stadt die wiege der industrialisierung in deutschland ist. hier entstanden die ersten fabriken und die zahl der einwohnerinnen wuchs sprunghaft an. in der gründerzeit stand die stadt in stolzer blüte – alles riesengroß und wuchtig.




jedenfalls ist der omnibus ganz winzig in dieser großen stadt, über die ich unbedingt mehr erfahren will, zum beispiel, wie sich das leben hier angefühlt hat, als die stadt karl marx stadt hieß …



19.10.2017 - 01:27

traumwetter

das wetter war traumhaft schön – wir konnten erleichtert wärme tanken, besonders am zweiten tag, als wir uns auf anraten von yunus der sonne zugewandt haben – ganz weit hinten auf einem riesigen platz:




wieder so eine schöne alte stadt – durch die bergakademie schon immer mit einem weltläufigen unterton.  ich habe ihre schatzkammer entdeckt und konnte gleich eine wunde heilen: mir wurde in tangermünde von einem quengeligen althippie mein weißer lieblingsstein gestohlen, als ich meine aufmerksamkeit einem anderen menschen zuwandte. der war geformt wie eine computermaus.




ich habe einen wilden analogen artgenossen gefunden und konnte den auch gleich gut gebrauchen, denn kontrapunktisch zu der idylle ist hier die afd die stärkste partei und zwischendurch kamen triumfierende saxen und riefen in ihrer unnachahmlichen mundart „wir haben gewonnen“ & „denen haben wir’s gezeigt“. ganz gruselig stumpfsinnig.




so rum standen wir am ersten tag – es war wenig los und die touristinnen trauten sich nicht aus ihren grüppchen. ich bin dann von einem redakteur der „freien presse“ (so heißt die wirklich) unter der rubrik „was machen sie denn hier?“ interviewt worden. der hat sich unseren einleitungssatz „wir setzen uns als bürgerinitiative dafür ein, daß die volksabstimmung auf der bundesebene gesetzlich geregelt wird.“ wortwörtlich notiert und uns mit seinem artikel den ganzen auftritt hier gerettet, obwohl unser quantitatives ergebnis noch sehr zu wünschen übrig ließ.




abgesehen davon – und das fällt mir schwer – wurden mir elementare bedürfnisse erfüllt. die wärme. die stille. die schönheit. und eine quelle der inspiration für meine steinernen teppiche.




ich taufe die jetzt mal versuchsweise als „reziproke lithografien“ und wuchte sie durch den äther …

gute nacht!


18.10.2017 - 01:35

spontanes glück

ganz unverhofft bin ich dann im siebten steinhimmel gelandet: im schloß gibt es eine der größten mineraliensammlungen der welt.




ich habe gleich einen botschafter der pink republic angetroffen, die meine chinesische freundin catty wong ausgerufen hat:




ganz liebe grüße aus dem omnibus !!!




raum & zeit verloren ihre bedeutung und welten elementarer lebendigkeit & poetischer schönheit taten sich auf …











ich war so beseelt & inspiriert, daß ich gleich noch ein paar völlig andere bilder gemalt habe:




nacht zusammen!


17.10.2017 - 00:54

am stausee

auf unserem platz haben wir alles auflösen können, was sich angestaut hatte: die jungs haben alle ablagen & regale abgeräumt & aufgewischt & neu eingeräumt, die flächen gereinigt, staub gesaugt & den boden gewischt mit milliarden unsichtbaren helferinnen.

wir haben zusammen eine gasflasche gewexelt und eine neue gekauft, unseren trinkwassertank aufgefüllt und uns selbst gründlich gereinigt – yunus ist sogar mal kurz in den see eingetaucht.

ich habe administrative pflichten erledigt (quartalsbuchhaltung & dergleichen) und mich danach viel besser gefühlt und selbstvergessen an meinen steinbildern gearbeitet:




das sind die steinkacheln auf der öffentlichen toilette – da wuselt das leben in einer anderen zeit & die menschen verschrotten ihre kostbaren ausscheidungen ….




am sonntag mittag sind wir bei schönstem sonnenschein (yunus mit freiem oberkörper) in die silberstadt freiberg gefahren, wo seit fast tausend jahren bergbau betrieben wird.



16.10.2017 - 23:57

schöner herbst

wir haben zwei schöne stille tage in bautzen verbracht mit ganz wenig betrieb am omnibus. am ersten tag standen wir zum ersten mal auf dem hauptmarkt. eine sehr aufmerksame journalistin, die sogar „wehe dem sieger“ von daniela dahn kannte, hat einen guten artikel geschrieben, auf den gleich gestern vormittag einige menschen reagiert haben. unser ergebnis war besser als an drei tagen in görlitz. 




die zusammenarbeit mit der verwaltung hat ganz umstandslos & freundlich funktioniert. das wetter war schön. die stadt ist tausend jahre alt und wird auch „stadt der türme“  genannt.  ich habe mich wohlgefühlt, obwohl ich auch zwei schlechte erinnerungen an die stadt habe.

außerdem ist hier wirklich afd land. ein hämischer mann hat mir erzählt, daß kurz vor der wahl der „gauführer“ hier frenetischen beifall geerntet hat. selbst die polizisten hätten am liebsten mitgeklatscht. das publikum bestand angeblich aus lauter „geschäftsleuten und besorgten bürgern“, die zucht & ordnung wieder herstellen wollen.

was für ein kontrast zu den menschen, mit denen ich gesprochen habe!




am abend sind wir für zwei nächte zu einem wohnmobilplatz an einer talsperre gefahren. hier sind wir mit allem versorgt …




15.10.2017 - 01:55

am schiefen turm

nach dem dicken turm in görliwood standen wir heute am schiefen turm in bautzen – sowas wie die hauptstadt der sorben, die ich so gern studiere. ich habe mich mit sorbischer poesie eingedeckt und gestern abend haben wir unter einem urtümlichen steingewölbe sorbisch getafelt und ich habe neugierig dem warmen klang der konversationen zugehört, die von einer geselligen runde herüberwehten.

bis wir in ein herzerfrischendes gespräch mit einem schweizer paar in meinem alter geraten sind. sie war eine temperamentvolle sopranistin mit sächsischen vorfahren, die in ihrer jugend am liebsten eurhythmie studiert hätte & er war ein amüsiert gelassener chemielehrer mit italienischen wurzeln. sie paßten so gut zusammen, daß sie gemeinsam ein trio ergaben.

da ging es lustig hin & her und wir haben lauter verbindungen gesponnen. yunus ist ja im moment schon immatrikulierter eurhythmiestudent und macht im omnibus ein praktikum in angewandter eurhythmie. sein orientalischer charme hat die tür zu diesem schönen gespräch geöffnet. ich staune immer wieder über seine sozialen auswirkungen. was den umgang mit der uhrzeit angeht, kann ich viel von ihm lernen.

es freut mich ungemein, daß er angefangen hat, bei wo lang zu schreiben. was für eine schön ausgeprägte solostimme – ganz besonders, wenn ich bedenke, daß seine muttersprache urdu ist und in seiner kindheit um ihn herum wahrscheinlich auch viel englisch gesprochen wurde. er läßt sich in seinem ausdruck nicht beirren.

durchaus herzlichen dank, durchlaucht.





14.10.2017 - 01:06

steinzeit

unversehens bin ich mit meiner wahrnehmung in einer persönlichen steinzeit gelandet. oben ist das „sonnentor“ zu sehen, eine stelle, die nur beim äquinoktikum von der sonne geküßt wird. ringsum sind steinmetzinnenarbeiten ausgestellt: beispiele der verarbeitung von granit.





da stellt sich mir die frage, ob teppiche aus granit auch fliegen können. oder schöne pflasterarbeiten:




13.10.2017 - 01:19

gen westen

der ritt in den sonnenuntergang war so ein wilder, da überschlugen sich die bilder.



12.10.2017 - 00:35